
Tradition und Moderne – es gibt wohl kaum einen anderen Ort in den Schweizer Alpen, in dem dies mehr zu spüren ist als in St. Moritz: Mondän, und doch beschaulich, mit dörflichen Strukturen, aber auch viel Glamour, Kunst und exquisiter Kulinarik. Zum Beispiel mit Seafood in der angesagten „Langosteria“ am Berg. Nicht weit vom Zentrum hält der legendäre Glacier Express der Rhätischen Bahn – liebevoll der „langsamste Schnellzug der Welt“ genannt. Mit Blick von oben auf den kleinen Bergbahnhof hat kürzlich ein neues, luxuriöses 5 Sterne-Boutiquehotel eröffnet – das „Grace La Margna“. Wobei neu eigentlich der falsche Ausdruck ist, denn das „La Margna“ gibt es schon seit Anfang des letzten Jahrhunderts: Im Jahr 1906 vom St. Moritzer Architekten Nicolaus Hartmann im für das Engadin charakteristischen Jugendstil erbaut, war es viele Jahre eine beliebte Herberge für viele Sommerfrischler und Winterurlauber, bis es in einen Dornröschenschlaf verfiel.
Nach mehrjähriger Renovierung und einer Investitionssumme von über 90 Millionen Schweizer Franken erstrahlt es seit August 2023 als „Grace La Margna“ in neuem Glanz. Mit dem Projekt gelang dem Architekturbüro Divercity Architects mit Sitz in London und Athen ein dynamischer Dialog zwischen historischer und zeitgenössischer Architektur. „Das Grace La Margna ist dabei kein Luxushotel im klassischen Sinn, sondern bringt einen neuen Lifestyle nach St. Moritz. Wir wollen ein neues St. Moritz widerspiegeln, indem wir andere Perspektiven zeigen und Neues mutig anpacken – diese Vision hat Divercity Architects zusammen mit der Interior Designerin Carole Topin perfekt umgesetzt“, so der General Manager David Frei. Über sechs Jahre lief die Renovierung und Erweiterung, wobei die Grundsubstanz des Innenbereichs in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz in neuen, „alten“ Glanz gebracht wurde. Dafür wurden nicht nur die pompösen Leuchter im Haus restauriert, sondern auch verschollene Exemplare nachgebildet. Das Dach des historischen La Margna Wings wurde wieder mit seltenen, aus Glimmerschiefer bestehenden Fexer Platten eingedeckt. Auch in den öffentlichen Bereichen setzte man mit dem Steinboden aus Soglio-Quarzit auf die Geschichte des Hotels. Um den originalen Stein dafür zu bekommen, wurde der vor über 100 Jahre stillgelegte Teil des Steinbruchs im Bergell eigens für das Grace La Margna St. Moritz wieder geöffnet.
Spannende Kontraste
Überall im Haus sind die spannenden Kontraste aus alt und neu zu spüren, restaurierte Holzvertäfelungen, Gewölbe, Stuck und Sprossenfenster verbinden sich zu einer gelungenen Mischung aus historischer Eleganz und einem alpinen zeitgenössischen Ambiente. Der neue Grace Wing mit 27 großzügigen Zimmern und Suiten bietet puristisches Design – viel Weiß, warmes Holz und Messingelemente verbinden sich hier zu einem exquisiten Gesamtkonzept. Der La Margna Wing mit 47 Zimmern und Suiten zeugt mit original Jugendstil-Elementen von seiner Vergangenheit und den Anfängen des Wintertourismus. Der, so sagt man hier in St. Moritz, auf eine alte Wette zurückgeht: 1864 versprach Hotelier Johannes Badrutt (dessen 5 Sterne-Luxushotel bis heute existiert) englischen Sommergästen, dass sie nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter hemdsärmlig auf seiner Terrasse die strahlende Engadiner Sonne genießen könnten – anderenfalls bekämen sie ihr Geld zurück. Die Engländer kamen prompt, waren begeistert und wollten gar nicht mehr nach Hause. Wette gewonnen! Bis heute ist die Lust am Schnee und der Moritzer Sonne ungebrochen und zieht Touristen aus aller Welt an.
